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Hanf hilft, das Wasserproblem zu lösen

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Baumwolle ist durstig. Sehr durstig. Für 1 kg nutzbarer Baumwollfaser braucht es im Durchschnitt etwa 10.000 Liter Wasser [1]. Um Euch ein Gefühl für die Dimensionen zu geben: Die Baumwolle, die in Deutschland 2010 verkauft wurde, benötigte beim Anbau fast doppelt so viel Wasser als alle deutschen Haushalte und Unternehmen insgesamt während des gesamten Jahres verbrauchten.

 

Gleichzeitig mag Baumwolle es warm und sonnig. Kein Wunder, dass sie sich ursprünglich im tropischen Klima entwickelt hat. Ironischerweise wird Baumwolle heute vor allem in trockenen Regionen angebaut. Ein Hauptgrund ist, dass Regen schlecht ist für die Teile der Pflanze, die wir Menschen nutzen möchten: Wenn Baumwollkapseln Regen ausgesetzt werden und das Wasser aufsaugen, können sie verfaulen. Und somit kommen rund 75% der weltweit produzierten Baumwolle heute von bewässerten Feldern [2]. Wir sprechen hier von Süßwasser, das z.B. aus Flüssen abgezweigt oder aus dem Grundwasser abgepumpt wird. Die üblichste Bewässerungsmethode ist das Fluten der Felder, wobei ein Großteil des Wassers ungenutzt verdunstet (aber hey, es ist einfach und billig!)[3]. In Ländern wir Usbekistan, das einer der größten Baumwollproduzenten der Welt ist, stammt das Wasser für die Baumwolle fast vollständig aus künstlicher Bewässerung, da kaum Regen fällt.

 

Das ist eine Katastrophe. Eine Folge ist Bodenversalzung, was Landwirtschaft schwieriger oder unmöglich macht. Grundwasserspiegel fallen, was bedeutet, dass Trinkwasser schlechter verfügbar ist. Und wir sprechen ohnehin schon über trockene Landstriche, wo Wasserknappheit ein Problem ist. Ganze Länder geraten schon in Konflikte wegen des Wassers. Und das ist noch nicht alles.

Der Aralsee, bevor die Baumwollproduktion ihn austrocknete (Bild: NASA)
Der Aralsee, bevor die Baumwollproduktion ihn austrocknete (Bild: NASA)
Der Aralsee im Jahr 2017 (Bild: NASA)
Der Aralsee im Jahr 2017 (Bild: NASA)

Das krasseste Beispiel dafür, was der Baumwollanbau anrichten kann, ist das Verschwinden des Aralsees, eine der größten menschengemachten Umweltkatastrophen. Der Aralsee in Zentralasien war einmal der viertgrößte Binnensee der Erde und etwa so groß wie Irland. Als die Sowjets die zwei Flüsse, die den See speisten, in den 1960ern in ein gigantisches Kanalnetz umleiteten, um Baumwollfelder zu bewässern, begann der See auszutrocknen. Heute ist er fast verschwunden. Es geht dabei nicht nur um Strände oder Fischereibetriebe, die verschwunden sind. Der Aralsee war wichtig für das regionale Klima, und sein Verschwinden hat die Landwirtschaft in der Region weitgehend zum Erliegen gebracht. Chemikalien (Pestizide, Dünger etc.), die früher in den See geschwemmt und am Seeboden eingeschlossen waren, werden nun mit dem Wind in der Region verteilt, was zu hohen Krebsraten, Atemwegserkrankungen und allen möglichen anderen Krankheiten führt [4]. Die Kindersterblichkeit in der Aralseeregion ist die höchste weltweit. Einige nennen es "stilles Tschernobyl".

 

Wie könnte Hanf dabei helfen? 1 kg nutzbarer Faser benötigt ca. 2500 Liter Wasser, wovon genau 0 Liter aus künstlicher Bewässerung kommen müssen [5]. Eine einfache Rechnung.

 

Nachweise:

[1] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 19.

[2] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 18.

[3] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 20.

[4] Small, Ian/van der Meer, J./Upshur, R.E.G. (2001): Acting on an Environmental Health Disaster. The Case of the Aral Sea, Environmental Health Perspectives 109 (6), S. 547-549.

[5] Averink, J. (2015): Global Water Footprint of Industrial Hemp Textile, Enschede, S. 45.