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Hanf ist von Natur aus pestizidfrei

Workers spraying pesticides on a field in India
Workers spraying pesticides on a field in India

English here.

 

Einer der Hauptgründe, wieso wir Hanf in den Merchmarkt bringen wollen, ist, dass er deutlich menschen- und umweltfreundlicher ist als Baumwolle. Warum?

 

Baumwolle ist eine Sissy. Sie ist sehr empfindlich gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Der weit verbreitete Anbau in Monokulturen, teilweise bedingt durch die lange Reifezeit der Baumwolle, macht das nur noch schlimmer. Im Ergebnis gibt es keine Nutzpflanze, die mehr mit Pestiziden belastet ist als Baumwolle. In Indien, dem größten Baumwollproduzenten der Welt, gehen mehr als die Hälfte aller in der Landwirtschaft genutzten Pestizide in den Baumwollanbau, obwohl dieser nur auf 5% der Ackerfläche dort stattfindet.[1] Weltweit sind die Relationen ähnlich. Bio-Baumwolle wird ohne Pestizide und andere schädliche Chemikalien angebaut, aber ihr Marktanteil stagniert schon seit Jahren bei rund 0,5% - und sie hat auch ihre Nachteile, die wir in einem späteren Post darlegen werden.

 

Der Pestizidbedarf der Baumwolle ist ein Problem, weil Bauern und Feldarbeiter in Ländern mit mittlerem oder niedrigen Einkommen - darunter auch Kinder und Schwangere - sich oftmals keine Schutzausrüstung leisten können und oft auch keine Möglichkeit haben, die Mittel sicher zu lagern. Manchmal können sie noch nicht einmal die Gefahrenhinweise auf den Verpackungen lesen, weil diese oft nur auf Englisch sind. Die Folge: akute oder chronische Pestizidvergiftungen. Die Weltgesundheitsorganisatino (WHO) schätzt deren Anzahl auf bis zu 5 Millionen im Jahr. Davon verlaufen 20.000 tödlich,[2] die übrigen verursachen eine Vielzahl an Krankheiten, darunter Krebs und chronische Atemwegserkrankungen. In den indischen Nachrichten kann man regelmäßig über tödliche Pestizidunfälle lesen - ebenso wie über Suizide von Bauern. Denn Pestizide und die passenden genmanipulierten Baumwollsorten kosten Geld, und nicht selten landen Landwirte in einer Schuldenspirale, aus der sie nicht mehr herauskommen. Auch unter Nicht-Landwirten ist Pestizidvergiftung landesweit die führende Suizidmethode, weil die Mittel so einfach verfügbar sind.

 

Diese Gifte reichern sich außerdem in der Umwelt an und können im Grundwasser oder sogar in den regional angebauten Lebensmitteln landen. Natürlich ist massiver Chemieeinsatz auch nicht gut für Biodiversität und Bodengesundheit.[3]

 

Hanf hingegen braucht keine Pestizide. Ihr lest richtig. Hanf ist eine der widerstandsfähigsten Pflanzen, die die Natur jemals hervorgebracht hat, und eine seiner größten Vorteile als Nutzpflanze ist, dass er praktisch keinen Pflanzenschutz braucht. Wie kommt das?

 

Wahrscheinlich habt Ihr schon mal von THC gehört, der Substanz in Cannabis, die den Rausch verursacht. THC ist nur eine von mehr als 100 Substanzen, die als Cannabinoide bezeichnet werden. Diese wirken als natürliche Schutzsubstanzen gegen die meisten Insekten, Pilze, Mikroben und andere Organismen, die dem Hanf sonst gefährlich werden können.[4] Lediglich einige Pilze können den Hanf befallen, was aber nicht häufig vorkommt. Bauern, die Hanf anbauen, können also Schutzmaßnahmen gegen diese Krankheiten und Schädlinge im Regelfall aus ihrer Kalkulation nehmen.

 

Außerdem wächst Hanf extrem schnell und unterdrückt bald nach dem Keimen alle anderen Pflanzen (es gibt einen Grund, wieso Hanf auf Englisch selbst "weed", also "Unkraut" heißt).[4] Also braucht man auch keine Unkrautvernichter - bye bye, Glyphosat!

 

Nachweise:
[1] Röling, Niels/Ahmad, Iftikhar/Chatterji, Sandhya/Laurense, Alida/Margraf, Josef/Moore, Robert (2004): FAO/EU Integrated Pest Management Programme for Cotton in Asia, Final Review Report, Bangkok, S. 35.

[2] Chemicals Programme of the United Nations Environmental Programm (UNEP Chemicals) (2004): Childhood Pesticide Poisoning. Information for Advocacy and Action, Châtelaine, S. 7.

[3] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 9.

[4] Desanlis, Francois/Cerruti, Nicolas/Warner, Philip (2013): Hemp Agronomics and Cultivation, in: Bouloc, Pierre (Hrsg.): Hemp. Industrial Production and Uses, Oxfordshire/Boston, S. 98-124.