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Warum Bio-Baumwolle nicht die Lösung ist

Besser, aber immer noch problematisch: Bio-Baumwolle. Foto: Shutterstock.
Besser, aber immer noch problematisch: Bio-Baumwolle. Foto: Shutterstock.

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Bio-Baumwolle ist viel besser als konventionelle Baumwolle, keine Frage. Sie wird ohne synthetische Pestizide, Entlaubungsmittel und Dünger angebaut, derentwegen konventionelle Baumwolle Mensch und Natur so sehr schadet. Außerdem ist Bio-Baumwolle per definitionem nicht genmanipuliert. Wenn Ihr also Baumwolle kauft, kauft bio. Wir machen das auch - die 45% Baumwolle, die noch in unseren Shirts stecken, sind aus kontrolliert biologischem Anbau!

 

Aber während große Modeketten Klamotten aus Bio-Baumwolle als grüne Option verkaufen, versagen diese als Lösung. Ja, es werden keine Agrochemikalien für den Anbau angesetzt, das ist gut. Aber Bio-Baumwolle ist nicht besser - oder gar schlechter - in Hinblick auf die zwei weiteren großen Punkte, nämlich Wasser und Land.

 

Nehmen wir das Wasser - wir wissen bereits, dass Baumwolle ein großes Problem ist, weil sie einen exzessiven Wasserbedarf hat. Mit Bio-Baumwolle ist es nicht anders. Das ist auch kein Wunder - wir sprechen schließlich über dieselbe Pflanze, deren Wasserbedarf sich nicht plötzlich fundamental ändert, nur weil sie nicht mit Chemikalien bombardiert wird.

 

NGOs, Modeunternehmen und teils auch die Medien behaupten häufig das Gegenteil: dass Bio-Baumwolle deutlich weniger Wasser braucht als konventionelle Baumwolle. Häufig heißt es, sie brauche "91% weniger Wasser". Das ist massiv irreführend. Diese populäre Angabe stammt aus einer Lebenszyklusanalyse für Bio-Baumwolle der NGO Textile Exchange. Diese stellte fest, dass die untersuchten Bio-Baumwollfelder 91% weniger künstliche Bewässerung brauchten als konventionelle Baumwolle im Schnitt benötigt. Das ist allerdings nicht sehr überraschend: Die Studie untersuchte explizit vor allem Felder, auf denen Baumwolle im Regenfeldbau kultiviert wurde und die deswegen nur wenig Bewässerung brauchte.

 

Das mag auch für rund 80% der gesamten Bio-Baumwolle der Fall sein. Aber das hat wenig bis gar nichts mit der Frage zu tun, ob nun bio angebaut wird oder nicht. Es bedeutet einfach nur, dass Baumwolle aus Regenfeldbau weniger Bewässerung braucht. Was übrigens nicht bedeutet, dass sie weniger Wasser braucht. Die untersuchte Bio-Baumwolle verbrauchte 15.000 Liter Wasser pro Kilo, was sogar 50% mehr ist als im Schnitt für konventionelle Baumwolle benötigt werden. Das zusätzliche Wasser ist Regenwasser, so dass das (hoffentlich) kein großes Problem ist. Aber es heißt auf keinen Fall, dass wir hier von geringerem Wasserverbrauch sprechen.

 

Alles, was also übrigbleibt, ist, dass Baumwolle aus Regenfeldbau weniger Bewässerung braucht. Das klingt schon nicht mehr so aufregend. Allerdings gibt es da tatsächlich einen wichtigen Punkt: Wir wissen bereits, dass die Erträge beim Regenfeldbau geringer sind als die von bewässerten Feldern. Wenn 53% der globalen Baumwollfelder bewässert sind[1] und von diesen Feldern 73% der gesamten Baumwolle weltweit geerntet werden[2], heißt das, dass die Erträge von regenbewässerten Feldern weniger als halb so hoch sind wie die von künstlich bewässerten Feldern. Dazu kommt noch, dass Biolandbau allgemein geringere Erträge generiert als konventionelle Landwirtschaft. Die ganzen Dünger, Pestizide und Genmodifikationen haben schließlich vor allem einen Zweck: ohne Rücksicht auf Menschen und Natur die Erträge zu erhöhen. Bio-Baumwolle ist also nicht nur teurer als konventionelle Baumwolle, sie bringt auch pro Hektar bis zu 50% weniger Fasern ein.[3] Was bedeutet, dass für dieselbe Menge an Kleidung bis zu doppelt so viel Fläche benötigt wird. Und Ackerland ist schon heute eine knappe Ressource. Und sobald man auf trockenere Flächen ausweichen muss, braucht auch Bio-Baumwolle künstliche Bewässerung.

 

Klingt nicht gerade nach einer ausgewachsenen Lösung für das Baumwollproblem.

 

Hanf hingegen braucht nicht nur keine schädlichen Agrochemikalien, er produziert auch doppelt so viele Fasern pro Hektar wie Baumwolle[4], und er braucht auch tatsächlich nur einen Bruchteil des Wassers, das Baumwolle benötigt.

 

Klingt schon eher nach einer Lösung, oder?

 

 

Notes:

[1] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 24.

[2] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 9.

[3] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 5.

[4] Cherrett, Nia/Barrett, John/Clemett, Alexandra/Chadwick, Mattes/Chadwick, M.J. (2005): Ecological Footprint and Water Analysis of Cotton, Hemp and Polyester, Stockholm, S. 16.