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Warum wir Ärzte ohne Grenzen unterstützen

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Wir sehen uns selbst als Social Business, auch wenn wir formal ein profitorientiertes Unternehmen sind. Unser Ziel ist es, die Art zu verändern, wie Textilien produziert werden, indem wir ein anderes Material benutzen. Außerdem wollen wir die Schäden mildern, die der heutige Baumwollanbau anrichtet. Gewinne sind nötig, um unsere Ziele zu verwirklichen - z.B. um Investitionen zu finanzieren - können aber kein Selbstzweck sein.  

 

Darum wollen wir einen Teil unserer Profite in Projekte investieren, die den Opfern des Baumwollanbaus helfen. Wir haben uns mit "Ärzte ohne Grenzen" zusammengetan, die medizinische Hilfsprojekte in Usbekistan durchführen, genauer in Nukus, der Hauptstadt der südlichen Aralseeregion (genannt Karakalpakstan). Diese Ecke der Welt leidet fürchterlich unter der Austrocknung des Aralsees, die im Wesentlichen durch den Baumwollanbau verursacht wurde

 

Das Verschwinden des Sees hat zu Wasserknappheit, wirtschaftlichem Niedergang und der Verteilung giftiger Chemikalien in der Region geführt. Diese waren lange am Seeboden eingeschlossen, werden aber nun mit dem Staub in der ganzen Region verweht. Die Folge sind hohe Raten von Krebs, Atemwegserkrankungen, Geburtsschäden und vieler anderer Krankheiten[1]. Die Verbreitung dieser Erkrankungen ist astronomisch: Asthma und Typhus kommen etwa acht mal häufiger vor als im nationalen Durchschnitt, und die Region ist ein Hotspot für Tuberkulose. 

 

Da Usbekistan eine repressive Diktatur ist, sind die apolitischen Ärzte ohne Grenzen eine der wenigen Hilfsorganisationen, die vor Ort überhaupt noch aktiv sind. Andere NGOs, die versuchten, dort zu helfen, haben schon lange aufgegeben. In Nukus führen Ärzte ohne Grenzen derzeit ein Projekt durch, das eine kürzere und unkompliziertere Behandlung von Tuberkulose testet. Dieses Projekt gehört zu den jahrelangen Bemühungen von Ärzte ohne Grenzen in dieser Region, Menschen mit dieser Krankheit zu helfen.

 

Langfristig wollen wir etwa 25% unserer Gewinne in derartige Projekte stecken. Wir werden uns aber hier bewusst nicht auf einen ganz bestimmten Anteil festlegen. Denn wir möchten nicht in die Situation kommen, nicht in der Lage zu sein, Summe X zu spenden, und uns dann genötigt zu sehen, die Zahlen zu frisieren, damit es so aussieht, als wenn wir unser Versprechen doch halten können. Stattdessen wollen wir auch hier vor allem Transparenz herstellen und die Gründe für unsere Entscheidungen erklären. 

 

 

Notes:

[1] Small, Ian/van der Meer, J./Upshur, R.E.G. (2001): Acting on an Environmental Health Disaster. The Case of the Aral Sea, Environmental Health Perspectives 109 (6), S. 547-549.